reflections

Das ägyptische Totenbuch sollte der Seele auf ihrer Reise ins Jenseits helfen. Dämonen abzuwehren und die Verwesung des Körpers zu verhindern. Vorraussetzung war, dass der verstorbene die Verse des Buches zu Lebzeiten gelernt hatte. Der abgedruckte Ausschnitt ais dem ersten Kapitel stellt eine Art Einführung und Lobpreisung der Götter dar.


Hier beginnen die Sprüche,
Die vom Hinausgang der Seele berichten
Zum vollen Lichte des Tages,
Berichten vom ihrer Auferstehung im Geiste,
Dem Eintritt in die Bereiche des Jenseits,
Von ihren Reisen darin.

Hier sind die Worte zu sprechen
Am Tag der Bestattung,
Da in die Welten des Jenseits die Seele einzieht,
Vom Leibe getrennt.

Gruß dir, Osiris , du Stier der Amenti!
Durch meinen Mund spricht
Der Ewigkeit Fürst, mächtiger Thoth!
Ein Gott bin ich fürwahr, die Sonnenbarke begleitend,
während sie das Himmelsgewölbe durchzieht.
Einer bin ich der großen Götter der Urzeit,
Welche am Tag des Worte-Abwägens
Osiris bestehn, ihm helfen den Feind zu bezwingen.
Nun leb ich, Osiris, in deiner Umfassung.

Den andren, von Nut geborenen Göttern
Gleich ich, die deine Feinde zerschmettern
Und die Dämonen bezwingen;
Denn ich gehöre zu deinem Gefolge, oh Horus;
In deinem Namen schreite ich kämpfend fort.

Thoth bin ich wahrhaft! Durch mich
Bezwingt seine Feinde Osiris, indem die Worte
Gewogen werden im großen Tempel von Junu.
Deschedi bin ich, zugleich auch Dschedi’s Sohn;
Nut, meine Mutter, erzeugte mich; sie gebar mich
In der heiligen Stadt von Dschedu.
Wahrlich bin ich ein Geist in der Rekht-Region,
Ein Geist unter jenen, die schluchzend beklagen
Den Tod des Osiris
Ihm helfend den Feind zu bezwingen.
Seht, Ra und Thoth, den großen gesandt,
Die Feinde Osiris zu schlagen!
Nun hilft mir der große Thoth,
Meinen Feind zu bezwingen.

Am Tag der Bekleidung des göttlichen Leichnams Osiris’
Steh ich an Seiten des Horus,
Laß überfließen die Brunnen,
Um das „göttliche Wesen mit dem still gestandenen Herzen“
Badend zu reinigen.
Seht, ich ziehe die Riegel der Pforte, Welche den Zugang erschließt
Zu der Rätseln der Welten des Jenseits!
Zurzeit, wo Horus in Sekhem
Den Feinden den linken Arm des Osiris entreißt,
Bleib ich an Seiten des Horus.
Ohne Schaden dringe ich ein und wandle
Inmitten der flammenden Götter
Am Tag der Dämonenvernichtung in Sekhem.
Ständig begleite ich Horus
Zurzeit der Feste Osiris’.
Am sechsten Tag des Denit’-Feste
Im Tempel Heliopolis’ bring ich die Opfergaben.
Priester bin ich im Tempel von Deschnu,
Den Trankopfern steh ich vor.
Am Tag, wo die Erde die höchste Höhe erreicht,
Enthüllen in Re-Stau sich nun die Mysterien.
In Dschedu sprech ich als Priester der Toten,
Zu sorgen um sie.
Dem Osiris geweihte Gebete.
Des geheimen Wissens zugleich bin ich Meister,
Wenn das Sokari-Boot durch die Schlitten ersetzt wird.
Am Tage des Festes erhalt ich den Spaten,
Um in Hneni-Nesu die Erde zu graben.

Übersetzt und kommentiert von Gregoire Kolpaktchy. Bern München-Wien 1970,
S.59 ff.
Encarta Enzyklopädie Professional 2004

5.9.06 15:27

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